Endnote 1,8 Gut
Share Button

Logitech UE Smart-Radio Testbericht

thomas, 27. September 2014
Endnote 1,8 Gut
Share Button

Viele kennen Logitech nur als Anbieter von Tastaturen und anderem PC-Zubehör, doch mit dem UE („Ultimate Ears“) Smart Radio hat das Schweizer Unternehmen auch ein Netzradio im Angebot. 130 Euro verlangen die Eidgenossen dafür – ist es denn auch seinen Preis wert?

(221 Rezensionen)

POSITIV

  • + Top-Display und einfache Bedienung
  • + Umfangreiches Senderverzeichnis mit hoher Erweiterbarkeit
  • + Überzeugender Klang auch in größeren Räumen

Negativ

  • - Keine eigene Fernbedienung, nur Fernsteuer-Apps
  • - Keine USB-Buchse
  • - Nur sechs Preset-Tasten

Logitech UE Smart-Radio ist aus einer wesentlich größer gedachten Gerätereihe namens Squeezebox hervorgegangen. Wie bei den sehr teuren Audiosystemen von Sonos sollte es damit möglich sein, mehrere Geräte in verschiedenen Zimmern gemeinsam zu steuern. 2012 änderte das Unternehmen seine Pläne und reduzierte die Funktionen – auch bei Bestandskunden. Entsprechend groß war der Frust vieler Benutzer, die sich in Foren und bei Produktbewertungen Luft machten. Von all dem sollte man sich nicht beeinflussen lassen: Für sich genommen, also als alleinstehendes Internet-Radio, ist das Logitech UE noch immer ein hochinteressantes Gerät.

Das Design des UE Smartradios

Design/Verarbeitung

Beim UE Smart Radio hat man was in der Hand: Trotz kompakter Maße wirkt das Gerät sehr robust und wertig. Gespart hat man nur beim Universal-Netzteil, das an Steckdosenleisten unnötig viel Platz verbraucht.

Beim Design gibt sich Logitech ganz modern. Die einfachen, abgerundeten Formen des smarten Radios sehen gut aus. Das Gehäuse aus schwarzem Plastik (optional: weiß) besitzt eine Klavierlackoptik, die bei uns so lange Eindruck schindet, bis sich die ersten Fingerabdrücke darauf zeigen. Die sinnvoll angeordneten Gummitasten finden wir im Feeling etwas schwammig, aber aushaltbar. Die Textilbespannung des Lautsprecherbereichs dürfte am schnellsten Alterserscheinungen zeigen.

Genug gemeckert: Der edle Zwerg ist hübsch genug, um jedes Wohnzimmer zu schmücken. Dort passt er in praktisch jede Ecke, weil er nur 217 x 129 x 101 Millimeter (BxHxT) groß ist. Dank des spürbaren Gewichtes steht das UE stets extrem stabil auf fünf Gumminoppen, auch beim Drücken auf die Knöpfe.

Die Inbetriebnahme erfolgt problemlos

Inbetriebnahme

Das mickrige Handbuch ist dem Nutzer beim Einrichten kaum eine Hilfe, dafür ist das UE nach ersten Hürden aber sehr einfach zu bedienen. Nach dem Anschalten wählt der Benutzer Deutsch als Sprache, selektiert das gewünschte Netzwerk und gibt das WiFi-Passwort ein. Nach dem Setup sucht das Gerät eine aktuelle Gerätesoftware (Firmware) und installiert diese ohne jegliche Nutzereingriffe von selbst.

Im WLAN unterstützt das Gerät alle üblichen Übertragungsmethoden, auch Sicherheit nach WPA2. Auf den ersten Blick hat das Gerät nur einen Schalter, der es beim Ausschalten in den Stand-by-Modus versetzt. Hält man diesen dauerhaft gedrückt, fährt das UE vollständig herunter und ist dann ganz ausgeschaltet.

An Schnittstellen haben die Logitech-Entwickler nicht gespart: An den 3,5-Millimeter-Ausgang passen handelsübliche Kopfhörer, an den 3,5-mm-Eingang können wir dank des mitgelieferten Klinken-Kabels externe Player anschließen. Auf diese Weise kann man auch Musik vom Handy hören. Nachteil: Solange das Kabel eingesteckt ist, agiert das UE als reiner Lautsprecher für das eingehende Signal, man kann das Kabel also nicht einfach stecken lassen, wenn man eigentlich Internet-Radio hören will.

Zur weiteren Ausstattung gehören ein kabelgebundener Netzwerkanschluss und ein austauschbarer Akku, mit dem man das UE Smart Radio einige Stunden fern jeder Steckdose betreiben kann. Was fehlt: Ein Line-Ausgang hätte bei diesem Preis schon noch drin sein dürfen, ebenso ein USB-Anschluss für die MP3-Wiedergabe.

Das Bedienkonzept ist denkbar einfach

Bedienung

Schon bei der Inbetriebnahme fällt das starke Farbdisplay auf. Es bietet in etwa die Auflösung früherer Handys und ist auch von der Seite gut zu lesen. Logitech nutzt den Platz, um bereits in den Übersichtslisten die Namen der Radiosender, die von ihnen gebotenen Programme sowie bunte Sender-Icons unterzubringen. Im Mittelpunkt der Bedienung steht ein drückbarer Drehknopf zur allgemeinen Navigation, mit dem wir durch Links-Rechts-Drehen in Menülisten hoch und runter navigieren und durch Pressen das gerade markierte Menüelement auswählen. Klappt super.

Ein etwas kleinerer Drehregler stellt die Laufstärke ein. Auch er lässt sich drücken, was das Gerät stumm schaltet – solche praktischen Details machen viel vom Reiz des UE aus. Auch die Tasten für Wiedergabe und zurück befinden sich an sinnvollen Positionen. Doch nicht alles beim UE glänzt: So gibt es nur sechs Stationstasten, und alle Knöpfe außer den beiden Drehreglern haben einen unangenehm schwammigen Druckpunkt.

Eine Fernbedienung hält Logitech nicht für nötig. Dafür gibt es auf iOS- und Android-Mobilgeräten die Möglichkeit, das Logitech UE Smart-Radio mit einer passenden App fernzusteuern, was tadellos funktioniert.

Sendervielfalt/Menü

Das Senderverzeichnis des Logitech UE darf als eines der ausgefeiltesten überhaupt gelten. Darin herumzustöbern macht wirklich Laune und ist dank des großen Hauptknopfes ein Kinderspiel. So listet der Musikbereich etliche Genres wie 70er, Disco, Jazz und so weiter, bis hin zu Exoten wie „Eklektisch“ oder „Tango“.

Innerhalb ausgesuchter Musikstile lassen sich lokale oder beliebte Sender, teils auch Subgenres auswählen. So kann der Hörer etwa unterhalb von Electro noch zwischen Ambient, Industrial, Lounge etc. unterscheiden. Alternativ kann der Benutzer Stationen über die Wahl von Kontinenten, Nationen und sogar Städten aufspüren. Nachrichten, Sport und Talk haben eigene Verzeichnisse.

Sofern die Radiostationen das unterstützen, sehen wir im Test bei der Wiedergabe das Logo des Senders oder ein Cover des aktuellen Songs. Nicht nur können wir Eckdaten wie Audioformat oder Sender-URL anzeigen lassen, wir können sogar einen alternativen Stream (etwa mit geringerer Bitrate) wählen. Und nicht zuletzt bietet uns das UE-Radio nach dem bekannten „Wenn Ihnen dieses gefällt, dann auch jenes“-Schema weitere Stationen an. Auch dabei: eine Volltextsuche nach Sendernamen oder Inhaltsschlagwörtern.

Klanqualität: Überraschend überzeugend

Klangqualität

Angesichts der bescheidenen Größe fällt der Klang des Logitech UE Smart Radio überraschend überzeugend aus. Wir hören starke Bässe, klare Höhen und relativ transparente Mitten – und das trotz der kompakten Abmessungen. Das gilt auch bei hohen Lautstärken: Für eine Disco reicht es nicht, aber eine Garage kriegt man damit schon zum Beben. Für ordentlichen Druck sorgen ein Hochtöner mit 19 mm (vorne) und ein Subwoofer mit 82 mm (hinten).

Eine echte Stereoanlage kann das UE Smart Radio natürlich trotzdem nicht ersetzen. Zwar klingen praktisch alle Genres auf dem Gerät gut und auch Nachrichtensendungen sind gut verständlich, doch ab einer gewissen Lautstärke und Raumgröße geht dem UE die Puste aus. Auch fehlt eine Möglichkeit, den Klang anzupassen; wir vermissen sie im Test aber eigentlich nicht, weil das UE uns klanglich wirklich überzeugt hat.

Sonstiges

Auf dem UE lassen sich zusätzliche Musikdienste in Form App-artiger Erweiterungen installieren. Zu den interessanten Apps zählen Deezer, Napster und Spotify, die jeweils Musik-Flatrates anbieten. Alternative Radiostations-Verzeichnisse (Shoutcast, radio.de, Live365) oder Apps spezieller Sender (BBC, Digitally Imported, SomaFM) und Musikarchive (etwa das Live Music Archive mit Liveaufnahmen) machen das UE zu einer wahren Fundgrube für Netzradios und Musikquellen aller Art. Wichtig: Einige Dienste, etwa Spotify, sind nur mit einem Premium-Konto des jeweiligen Anbieters nutzbar.

Das Logitech UE Smart Radio besitzt außerdem eine Wecker-Funktion, wobei sich das Gerät zu einer oder mehreren Zeitpunkten an wählbaren Tagen mit einem definierbaren Radiosender zu Wort meldet. Umgekehrt sorgt ein Schlafmodus dafür, dass das Radio sich nach einer festlegbaren Zeitspanne abschaltet, was die Entwickler aber unnötig tief im Menüsystem versteckt haben.

Theoretisch operiert das UE auch als Media-Player. Hierfür müsste man jedoch auf PC oder Mac eigens eine (kostenlos verfügbare) Software installieren, das finden wir umständlich. Vorhandene Musik-Freigaben im Heimnetz ignoriert das UE. Das ist insofern schwach, als diese ziemlich standardisiert sind und weitaus simplere Geräte im Test keine Probleme damit haben. Wer will, kann das UE auch zum Vorgängersystem „Squeezebox“ umkonfigurieren – auf [http://www.mysqueezebox.com] gibt es Informationen, wo sich ein solcher Umstieg eventuell lohnen könnte.

Unser Testfazit

Wer auf der Suche nach ganz viel warmem Sound in einem erstaunlich kompakten Gehäuse ist, der sollte das Logitech UE Smart-Radio in Betracht ziehen. Zugleich besitzt kaum ein anderes Radio so viele Möglichkeiten, um auf alternative Radioverzeichnisse oder Musikdienste wie Spotify Premium zuzugreifen. Auch das Display und die (Fern-)Bedienung per Smartphone-App sind Pluspunkte. Dem steht ein hoher Straßenpreis von um die 130 Euro entgegen. Radio-Entdeckern und Design-Liebhabern können wir das Logitech UE aber auch zu diesem Preis wärmstens empfehlen.

(221 Rezensionen)

POSITIV

  • + Top-Display und einfache Bedienung
  • + Umfangreiches Senderverzeichnis mit hoher Erweiterbarkeit
  • + Überzeugender Klang auch in größeren Räumen

Negativ

  • - Keine eigene Fernbedienung, nur Fernsteuer-Apps
  • - Keine USB-Buchse
  • - Nur sechs Preset-Tasten

Preisvergleich

Endnote 1,8 Gut

Testergebnis

Wie wir bewerten?
  • Verarbeitung/Design
    1.0
     
  • Bedienung
    3.0
     
  • Klangqualität
    1.0
     
  • Sendervielfalt
    1.0
     
  • Ausstattung
    3.0
     
  • Verbindung
    1.0
     
RATGEBER

Sie können sich nicht entscheiden?

Mehr erfahren

Datenblatt

Bestenliste